Bericht über die Veranstaltung „Wohnen in allen Lebenslagen“

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Wohnen in allen Lebenslagen:Ideen, Initiativen und politische Impulse für Gröbenzell und den Landkreis

Wie können Menschen – gerade im Alter – möglichst lange selbstbestimmt im eigenen Zuhause leben? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Veranstaltung „Wohnen in allen Lebenslagen“. Schnell wurde deutlich: Es geht nicht nur um Wohnraum, sondern um Zusammenhalt, Ehrenamt, kommunale Verantwortung und neue Formen des Miteinanders.

Christian Wrba vom Oekumenischen Sozialdienst Gröbenzell stellte die breite Palette an Unterstützungsangeboten vor: ambulante Pflege, Tagespflege, Seniorenberatung, Begegnungsstätte, Menüservice („Essen auf Rädern“), Haus- und Mobilnotruf sowie ehrenamtliche Projekte wie „Gemeinsam statt einsam“ und die Erstbegleitung für Menschen mit Demenz. Sein zentrales Anliegen: Nicht nur Pflegeleistungen zählen, sondern auch soziale Kontakte. Oft sind es regelmäßige Besuche, kleine Hilfen oder ein festes Gespräch im Alltag, die Menschen Stabilität geben und den Verbleib im eigenen Zuhause ermöglichen.

Mit dem Projekt „Raum genug“ zeigte Roger Struzena einen baulichen Ansatz auf. Viele ältere Menschen leben in großen, energetisch sanierungsbedürftigen Häusern, während gleichzeitig bezahlbarer Wohnraum fehlt. Durch Aufstockung, Anbau oder Teilung könnten Einfamilienhäuser zu Zweifamilien- oder Mehrgenerationenhäusern werden. Das schafft neuen Wohnraum im Bestand, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln, und verbindet Klimaschutz mit sozialem Mehrwert. Gleichzeitig wurde klar: Ohne Beratung, verlässliche Finanzierungslösungen und Unterstützung durch die Kommune stoßen Eigentümer schnell an Grenzen.

Einen starken gesellschaftlichen Schwerpunkt setzte Ronja von Wurmb-Seibel. Für sie steht das Thema Wohnen im Alter untrennbar mit sozialem Zusammenhalt in Verbindung. Entscheidend sei nicht nur, wo Menschen wohnen, sondern ob sie eingebunden sind. Sie verwies auf Studien, die zeigen, dass soziale Beziehungen maßgeblich dafür sind, wie gesund, wie lange und wie zufrieden Menschen leben. Vereinsamung sei nicht nur ein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem.

Von Wurmb-Seibel betonte deshalb die zentrale Rolle des Ehrenamts. Viele der bestehenden Angebote könnten ohne freiwilliges Engagement gar nicht bestehen. Politik dürfe diese Strukturen nicht als selbstverständlich betrachten, sondern müsse sie aktiv stärken und absichern. Gleichzeitig gehe es darum, Hemmschwellen abzubauen und Menschen zu ermutigen, neue Wege zu gehen – sei es durch Umbau des eigenen Hauses oder durch gemeinschaftliche Wohnformen.

Als positives Beispiel nannte sie das Wohngut Olching, ein generationenübergreifendes Wohnprojekt in genossenschaftlicher Struktur. Dort werden kleinere private Wohnungen mit Gemeinschaftsräumen kombiniert, etwa einer großen Küche, Werkstatt oder einem Gästeappartement. Das spart Fläche, fördert Begegnung und schafft gegenseitige Unterstützung. Solche Modelle zeigten, dass Wohnen nicht nur individuell, sondern auch gemeinschaftlich gedacht werden könne.

Ein weiterer Impuls von ihr war die Idee eines „Wohnmobils“ als mobile Beratungsstelle auf Kreisebene. Ziel wäre es, Eigentümerinnen und Eigentümer konkret zu begleiten – von Fragen zur Finanzierung über Handwerkervermittlung bis hin zur Abstimmung mit Behörden. Es gehe nicht darum, Verantwortung auf Einzelne abzuwälzen, sondern sie aktiv zu unterstützen und Hürden abzubauen. Gerade bei komplexen Themen wie Umbau, Denkmalschutz oder Kreditvergabe brauche es koordinierte Vernetzung statt Einzelkämpfertum.

Daniel Holmer ordnete die Diskussion mit Blick auf Gröbenzell ein und setzte ebenfalls klare Akzente. Hier brauche es realistische und praktikable Lösungen, die der dichten Bebauung und den zahlreichen Reihenhäusern aus den 1960er/1970er-Jahren gerecht werden. Gleichzeitig müsse man baurechtliche Spielräume prüfen, ohne die Besonderheiten des Ortes aus dem Blick zu verlieren.

Ein zentrales Anliegen Holmers war die Absicherung bestehender sozialer Infrastruktur. Angebote wie Tagespflege und Begegnungsstätte seien für das Leben im Alter unverzichtbar, auch wenn es für sie unmöglich ist, kostendeckend zu arbeiten. Die erneute Deckungszusage der Gemeinde für den Sozialdienst sei deshalb ein wichtiger Schritt gewesen. Wer wolle, dass Menschen im Alter im Ort bleiben können, müsse diese Strukturen langfristig sichern.

Konkrete Ideen brachte Holmer ebenfalls ein: So könnte ein gemeindliches Gebäude an der Poststraße zukünftig möglicherweise für eine externe Second-Hand-Ausgabestelle genutzt werden. Zudem sprach er sich dafür aus, kommunale Grundstücke nicht kurzfristig zu verkaufen, sondern strategisch einzusetzen – etwa über Erbpachtmodelle mit klaren sozialen Zielsetzungen. Nur so könne die Gemeinde langfristig bezahlbaren und bedarfsgerechten Wohnraum und öffentliche Versorgung mitgestalten.

Zur Einstellung des Projekts „Wohnen für Hilfe“ äußerte sich Holmer offen. Die damalige Entscheidung sei im Landkreis aus Kostengründen getroffen worden. Gleichzeitig wurde im Austausch deutlich: Wenn ein solches Modell neu aufgelegt werde, müsse es konsequent beworben und professionell organisiert sein, damit es tatsächlich Wirkung entfaltet.

Der Abend machte deutlich, dass Wohnen im Alter weit mehr ist als eine Baufrage. Es geht um Nachbarschaft, Ehrenamt, Generationenverantwortung, Klimaschutz und kluge kommunale Steuerung. Damit Menschen auch in Zukunft in Gröbenzell und im Landkreis gut alt werden können, braucht es engagierte Initiativen – und politische Rahmenbedingungen, die Mut, Kreativität und Zusammenhalt fördern.