Bezahlen digital: Wie Europa sein Geld zurückholt

Digitalsprechstunde XL mit Tobias Böll (Genossenschaftsverband Bayern e.V.)
📍 Bürgerhaus Gröbenzell · 🗓 Montag, 9. November 2026 · 🕗 20 Uhr

Kurz nachgedacht: Wann haben Sie zuletzt mit Bargeld bezahlt? Und wie oft lief eine Zahlung über Visa, Mastercard, PayPal, Apple Pay oder Google Pay? Für viele von uns ist das längst Alltag. Was dabei kaum jemand sieht: Ein großer Teil unseres digitalen Zahlungsverkehrs läuft über Unternehmen mit Sitz in den USA. Dort fallen Gebühren an, dort landen Daten, und dort wird im Zweifel entschieden, ob eine Zahlung durchgeht oder nicht.

Das ist keine theoretische Sorge. Wer die Infrastruktur kontrolliert, über die eine Gesellschaft ihr Geld bewegt, hat Macht. Gerade in Zeiten, in denen internationale Beziehungen unberechenbarer werden, stellt sich eine einfache Frage: Wollen wir in Europa selbst bestimmen, wie wir bezahlen?

Die gute Nachricht: Europa arbeitet an Antworten, sogar an zwei.

Wero ist das neue Bezahlsystem der europäischen Banken. Geld per Handynummer in Sekunden an Freunde schicken, zunehmend auch online und im Laden bezahlen, und das auf europäischer Infrastruktur, nach europäischem Datenschutz, ohne Umweg über Übersee. Inzwischen läuft Wero bei fast allen großen deutschen Banken, darunter die Volksbanken und Raiffeisenbanken. Wero gibt es also schon heute, und es lebt davon, dass wir es nutzen. 

Und dann ist da noch der digitale Euro, über den gerade viel diskutiert wird. Er wird oft in einem Atemzug mit Wero genannt, ist aber etwas grundlegend anderes. Der digitale Euro wäre Zentralbankgeld in digitaler Form, also eine Ergänzung zum Bargeld und kein Ersatz dafür. Herausgeben würde ihn die Europäische Zentralbank, so wie heute die Scheine und Münzen. Wero dagegen ist ein Bezahlverfahren der Banken, mit dem wir unser ganz normales Guthaben vom Girokonto bewegen.

Fertig ist der digitale Euro noch nicht. Seit Juli 2026 verhandeln Parlament, Rat und Kommission über das Gesetz, eine Einigung wird bis Ende 2026 angestrebt; im Geldbeutel landen würde er frühestens 2029. 

Gemeinsam ist beiden das Ziel: weniger Abhängigkeit von außereuropäischen Konzernen. Wie gut sie zusammenpassen, ob sie sich ergänzen oder Konkurrenten werden, darüber wird aber durchaus gestritten. Banken und Sparkassen begleiten das EZB-Projekt nach wie vor mit Skepsis. Umso spannender, die Perspektive direkt aus dem Genossenschaftssektor zu hören.

Aus erster Hand: Tobias Böll

Wir freuen uns sehr, dass Tobias Böll vom Genossenschaftsverband Bayern zu uns nach Gröbenzell kommt. Er wird erklären,

  • warum digitale Souveränität im Zahlungsverkehr so wichtig ist,
  • wie Wero funktioniert und was als Nächstes kommt,
  • was der digitale Euro ist, und worin er sich von Wero unterscheidet,
  • wie sicher die Systeme sind und was mit unseren Daten passiert,
  • und was jede und jeder Einzelne schon heute tun kann.

Danach ist reichlich Zeit für Ihre Fragen, ob kritisch, neugierig oder ganz praktisch: „Wird das Bargeld abgeschafft?“ oder „Wie richte ich Wero eigentlich ein?“

Machen Sie mit!

Europäische Unabhängigkeit entsteht nicht in Brüssel allein, sondern auch an der Supermarktkasse, im Onlineshop und beim Geldschicken an die Enkel. Kommen Sie vorbei, bringen Sie Nachbarn, Freundinnen und Familie mit, und lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, wie wir unser Geld ein Stück weit nach Europa zurückholen.

Wir sehen uns am 9. November um 20 Uhr im Bürgerhaus Gröbenzell!
Der Eintritt ist frei.