Bei der Bürgerveranstaltung im Gröbenzeller Bürgerhaus ging es vor allem um zwei Themen: den Hochwasserschutz und die Situation rund um die Unterkunft in der Alpenstraße. Durch den Abend führte Bürgermeisterkandidat Dr. Daniel Holmer. Er begrüßte die anwesenden Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sowie die Gäste und erklärte kurz den Ablauf. Zuerst sollte über Hochwasser gesprochen werden, danach über die Unterkunft in der Alpenstraße, anschließend war Zeit für Fragen und Diskussionen eingeplant. Zahlreiche Bürger*innen nutzten im Anschluss die Möglichkeit, Details zur Planung der Kirchenstrasse zu erfahren und zu diskutieren.
Den größten inhaltlichen Teil zum Hochwasserschutz übernahm Dr. Martin Runge, MdL a.D., Gemeinderat und Zweiter Bürgermeister. Er erklärte zunächst, warum Gröbenzell aus seiner Sicht besonders gefährdet ist. Eine Rolle spielten der hohe Grundwasserstand, die Lage an Gröbenbach und Ascherbach und die dichte Bebauung entlang der Gewässer. Dazu komme, dass Starkregenereignisse in den letzten Jahren häufiger und intensiver geworden seien. Runge ging auch auf die Überschwemmungsgebiete ein. Frühere Berechnungen hätten deutlich mehr Grundstücke betroffen ausgewiesen, als sich später nach genaueren Nachprüfungen herausgestellt habe. Diese Korrekturen seien wichtig gewesen, auch weil sie Auswirkungen auf Bauvorhaben und auf die Kostenverteilung zwischen den beteiligten Gemeinden hätten.
Ein weiterer Punkt war das sogenannte integrierte Hochwasserkonzept, das gemeinsam mit Nachbargemeinden entwickelt wird. Vorgesehen sind unter anderem Rückhaltebecken, Drosselungen, Umleitungsgerinne und Schutzmauern. Runge machte aber auch deutlich, dass er Teile dieses Konzepts kritisch sieht – vor allem wegen der hohen Kosten und möglicher Nachteile für einzelne Ortsteile. Als Ergänzungen oder Alternativen nannte er kleinere Maßnahmen wie das Entsiegeln von Flächen, die Nutzung natürlicher Rückhalteflächen, Aufweitungen von Bachläufen, bessere Information der Bevölkerung und eine gute Ausstattung von Feuerwehr und Bauhof.
Daniel Holmer ergänzte den Hochwasser-Teil vor allem mit einem praktischen Beispiel aus dem Jahr 2024. Damals hätten viele Menschen gleichzeitig Wasser aus ihren Kellern in die Kanalisation gepumpt, was wiederum zu Rückstauproblemen geführt habe. Daraus leitete er ab, wie wichtig schnelle und klare Information im Ernstfall sei. Er verwies in diesem Zusammenhang auf neue Katastrophenwarn-Apps des Landkreises, über die künftig direkt gewarnt werden könne.
In der anschließenden Diskussion meldeten sich mehrere Bürger zu Wort. Ein langjähriger Einwohner berichtete von eigenen Erfahrungen mit überfluteten Kellern, betonte aber, dass wirklich große Schäden eher selten gewesen seien. Andere fragten, wie groß die tatsächliche Gefahr heute sei und ob der Aufwand der geplanten Maßnahmen im Verhältnis dazu stehe. Auch die Pflege von Gräben und Böschungen wurde angesprochen: Einige sahen hier Nachholbedarf, andere wiesen darauf hin, dass zu häufiges Ausbaggern wiederum neue Probleme verursachen könne.
Der zweite große Themenblock drehte sich um die Unterkunft in der Alpenstraße. Daniel Holmer leitete das Thema mit Eindrücken eines gemeinsamen Ortstermins ein, an dem Vertreter des Landratsamts, der Gemeinde und Anwohner teilgenommen hatten. Er schilderte schwierige Zustände, unter anderem einen Heizungsausfall bei winterlichen Temperaturen, und hob gleichzeitig hervor, wie stark sich Nachbarinnen und Nachbarn engagieren und die dort untergebrachten Menschen unterstützen.
Martin Runge ging anschließend ausführlicher auf die Situation ein. Er erklärte, dass auf dem Grundstück mehrere Bestandsgebäude genutzt werden, die ursprünglich zum Abriss geplant waren, und zusätzlich Containeranlagen geplant sind. Seine Kritik richtete sich vor allem gegen den baulichen Zustand, Sicherheitsmängel auf dem Gelände, wiederkehrende Heizungsausfälle sowie Feuchtigkeit und Schimmel. Auch die aus seiner Sicht hohe Belegungsdichte und widersprüchliche Angaben zu Raumgrößen und Mietkosten sprach er an. Die Haltung des Gemeinderats beschrieb er so: Unterbringung ja, aber möglichst in kleineren, dezentralen Einheiten statt in großen Sammelunterkünften – der sogenannte „Gröbenzeller Weg“. Zudem berichtete er, dass der Gemeinderat einstimmig beschlossen habe, rechtlich gegen weitere Container vorzugehen, weil man eine Unverträglichkeit mit dem Wohngebiet sehe.
Auch zu diesem Thema meldeten sich Bürgerinnen und Bürger. Anwohner äußerten Sorgen wegen Sicherheit und Lebensbedingungen, machten aber zugleich deutlich, dass sie sich selbst stark in der Unterstützung der Bewohner einbringen. Mehrfach kam die Frage auf, wer eigentlich wofür zuständig ist und welche Möglichkeiten die Gemeinde überhaupt hat.
Zum Schluss öffnete Daniel Holmer die Runde noch einmal allgemein für weitere Fragen. Dabei ging es unter anderem wieder um die Pflege von Wassergräben, um frühere Hochwasserereignisse und um Zuständigkeiten zwischen Gemeinde und Landkreis. Insgesamt war es ein Abend mit vielen Wortmeldungen, teils sehr kritisch, teils unterstützend, aber durchweg engagiert. Deutlich wurde vor allem der Wunsch nach klaren Informationen, nachvollziehbaren Entscheidungen und praktikablen Lösungen für den Ort.
Aufzeichnung des Livestream unter
https://youtube.com/live/EZDNHjexKcs?feature=share
DONNERSTAG
12.02.2026
20:00 – 22:00 Uhr
Bürgerhaus Gröbenzell
Rathausstr. 1
82194 Gröbenzell